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Mittwoch, 11. Mai 2011

Reisebericht Korsika 2011

Traditionell gehören die Korsika- Reisen zu unseren ersten Angeboten der neuen Saison.
Und so kommen von da auch die ersten Rückmeldungen, so wie hier der Bericht von Aldo Roncati.

Vielen dank Aldo.
Bis im nächsten Kehrwasser...




Mit dem Open Canoe in Korsika

Korsika - seit Jahrzehnten im Frühling das Mekka der Kajakfahrer, um sich auf die Paddelsaison einzustimmen. Die korsischen Flüsse bieten fortgeschrittenen bis ambitionierten Paddlern technisches Wildwasser mit eher geringem Wasserdruck bei meist grösserem Gefälle in atemberaubender Landschaft.

Vor über 30 Jahren wurde begonnen, eine Vielzahl der korsischen Flüsse in 4m langen und relativ zerbrechlichen Polyesterkajaks zu befahren. Heutige Open Canoes sind knapp 3 bis 4m lang, aus Royalex, PE oder aus einem anderen widerstandsfähigen Hightech-Werkstoff gebaut und mit Sicherheit bruchresistenter als die alten Polyesterboote. Also - nichts wie hin nach Korsika mit Open Canoes!

Auf das Abenteuer vom 9. bis 16. April 2011 haben sich eingelassen: Monika Hampel, als einzige mit Doppelpaddel und einer Mamba, dann Stefan Taube mit einem kurzen Prelude, Beni Schafheitle mit seinem Raven, Philippe Blättler pilotierte den Outrage und ich nahm meinen bejahrten Probe mit. James Weir fuhr auch einen Raven, hatte aber für alle Fälle noch den L'Edge dabei. Die später eingetroffene Maud Verboven war auch zweiblättrig unterwegs (den Bootstyp weiss ich nicht mehr; wer schaut bei Maud schon aufs Boot?).

Dank der Schnellfähre ab Livorno ist die Anreise mit dem Auto in einem Tag möglich. Die beiden deutschen Paddler wählten die noblere Alternative mit dem Flugzeug. Der Campingplatz Campita in Francardo liegt direkt am Golo mit zahlreichen alten Bäumen, Wild- oder freilebende Hausschweine inklusive. Die Furchen im Boden und angeblich auch das nächtliche Grunzen waren ziemlich eindeutige Hinweise. Zu Gesicht bekamen wir die Tierchen aber nie.

Insgesamt war wegen der geringen Schneemenge in höheren Lagen der Wasserstand tief bis allenfalls knapp mittel. Dadurch konnte zwar der eine oder andere Abschnitt nicht befahren werden und die Boote mussten teilweise etwas leiden, dafür erlaubte der geringere Wasserdruck und die langsamere Strömungsgeschwindigkeit auch Befahrungen mit den OC's, die bei höheren Wasserständen rasch grenzwertig wären. Die befahrenen Flussabschnitte waren gemäss DKV-Auslandführer meist WW IIl-IV. Durch den tieferen Wasserstand dürften die Schwierigkeiten oft etwas geringer gewesen sein, d.h. es wurde meist WW III gefahren. Die eine oder andere Viererstelle war aber schon geblieben. Von Sonntag bis Mittwoch beglückte uns das Wetter mit Sonne pur und 22 bis 25°C, ab Donnerstag kamen Wolken auf und am Freitag zeigte uns Regen und 10°C, wie die Woche auch hätte sein können.

Sonntag
Golo, Kraftwerk Castirla bis Camping Campita, 6km, DKV WW lll-lV (4-5), ca. 4h

Der erste Tag auf einem korsischen Bach. Mässig verblocktes, absolut klares Wildwasser in traumhafter Landschaft. Kurz nach dem Einbooten beim Kraftwerk folgte eine etwas knifflige Kombination mit viel Gefälle und einigen Walzen, aber gut zu besichtigen oder auch zu umtragen.

Gefälle und Stufen? Da hilft nur energisches Übergreifen.

Später wechselten sich einfachere und schwierigere Stellen ab und schon bald erschien der Campingplatz. Absolut praktisch: Der Ausstieg lag keine 20m neben unserem Zelt!


Montag
Vecchio, Nocetta D21 bis N200, 4km, Pegel 1.40m, DKV WW lll-lV, ca. 4h

Deutlich verblockter als der Goloabschnitt am Montag und mit mehr Gefälle ist der Vecchio ein richtiger Naturslalom. Einige Stellen sollten besser angeschaut werden und auch die vom Ufer aus definierten Fahrrouten sind nicht immer einfach zu treffen. Die geringe Wasserwucht verhindert aber ernsthafte Probleme.

James beim Boofen in einem typischen Vecchioabschnitt.

Zum Schluss nahmen die Schwierigkeiten ab, doch brachte der ruppig steile Ausstieg nochmals alle ins Schwitzen.


Dienstag
Golo, nach Francardo bis Ponte Leccia, 4km, DKV WW ll-lll (4), ca. 3,5h

Aus der geplanten Befahrung des Asco unterhalb des Wasserfalls wurde nichts: Wir konnten scouten wie wir wollten, der Wasserstand wurde nicht höher. Wir entschieden, auf eine Rumpelpartie zu verzichten und paddelten einen leichteren Abschnitt auf den Golo unterhalb von Francardo bis Ponte Leccia. Das Tal ist hier recht offen und der Fluss nicht sehr verblockt.

Mehr Steine als Wasser: der Asco war für Canadier nicht paddelbar.

Im unteren Teil trieb eine Engstelle mit einer Stufe den Puls wieder etwas nach oben und erfrischte vor allem die sitzende Pilotin.

Typisch Kajakfahrer(in): immer auf Tauchstation...


Mittwoch
Tavignano, Mündung Vecchio bis Fussgängerbrücke, 6km, DKV WW ll-lll, ca. 3,5h

Heute das Highlight für unsere Kajakerin Monika: Maud kam via Südamerika und Türkei für 2 Tage als Privatlehrerin! Der Tavignano fliesst in diesem Abschnitt oft ruhig in einem grösseren Tal. Beim vorliegenden tiefen Wasserstand hatte dieser Tavignanoabschnitt teilweise den Charakter eines Wanderflusses. Zwischendurch erinnerte sich der Fluss aber doch daran, dass er in Korsika floss und beglückte die Paddler mit kleinen Stufen.

Auch mit grossen Booten kann man etwas boofen.

Gleiche Stufe, Landung mit ausgefahrenem Paddel.


Donnerstag
Tavignano, Schluchtabschnitt, Camping bei Wehr bis N200, 9km, Pegel 1.50m, DKV WW lll und lV, ca. 3,5h

Der paddlerische Höhepunkt dürfte wohl der Schluchtabschnitt des Tavignano gewesen sein. Beim Start erinnerte uns James daran, dass Besichtigen oder Umtragen wegen der steilen Felswände oft nicht möglich sei und vor allem eine gewisse Rechtskurve nicht unterschätzt werden sollte. Der Einstieg bei praktisch stehendem Wasser unmittelbar beim Campingplatz wollte nicht so richtig dazu passen. Beim rasch folgenden Wehr liessen wir die unbemannten Boote einfach die Fischtreppe hinunter, was bedeutend einfacher als das Umtragen war.

Bald wurde die Schucht enger und das Wasser - untypisch für Korsika - sehr tief und zwischendurch ganz ruhig. Dabei war an ein Drehen der Boote oft nicht mehr zu denken, so nahe standen die Felswände. Die steilen und teilweise überraschend wuchtigen Passagen zeigten sich aber mehrheitlich von der fairen Seite.

Ruhiger Schluchtabschnitt; bei den Actionszenen hatte niemand mehr Zeit, Bilder zu machen

Irgendwann war es dann soweit und James zeigte uns an, dass wir warten sollten, er und Maud wollten die besagte Rechtskurve scouten. Es dauerte und dauerte, irgendwann dann ein Handzeichen, und los gings. Im Kehrwasser nach der Kurve dann ein grinsender James: Es war noch zu früh, die heikle Rechtskurve kommt erst noch. Zwischenzeitlich gut eingefahren ging dann aber alles glatt und mit ziemlich vollen Booten hangelten wir uns in die nächsten Kehrwässer zum Ausleeren.


Freitag
Golo, Camping Campita bis Brücke nach Francardo, 6km, WW ll-lV (4-5, ca. 3h)

Der letzte Tag zeigte sich von der nassen und sehr kühlen Seite. Aufgrund einer Handverstauchung und allgemeiner Unlust bei diesen Bedingungen zu paddeln schmolz unsere Gruppe auf Monika, James und mich zusammen. Maud paddelte mit gestern angekommenen Freunden.

Unmittelbar nach dem Einstieg beim Camping kam etwas Expeditionsfeeling auf, schlängelte sich der Golo doch zwischen Felsen, Bäumen und Sträucher hindurch. Die bald erscheinende trichterförmige Verengung namens Staubsauger mit riesigem Rücklauf sah ziemlich ungeniessbar aus und wurde umtragen. Bis auf eine in einer S-Kurve gelegene Stufe, die ein rasantes Umkanten erforderte, war der Fluss mittelschwer und gegen den Schluss richtig easy. Beim Ausstieg zeigt sich dann doch noch die Sonne, was das Umziehen doch deutlich angenehmer machte.

Am Abend wurde uns von den heutigen Nichtpaddlern von einem äusserst hübschen Café in Corte mit einer netten Bedienung berichtet. Es erstaunte uns allerdings etwas, dass im Café auch eine Maus gesichtet worden ist. In einem gepflegten Café hat es Mäuse?


Fazit

Neben den paddlerischen Leckerbissen sorgten verschiedene Kochkünstler dafür, dass die Kalorienbilanz am Abend auf leckere Art wieder ausgeglichen wurde. Vor allem Philippe profilierte sich als Gourmetkoch mit einem feinen Händchen und organisierte auch täglich frisches Baguette. Dank der Helmkamera von James und Benis unermüdlichem Einsatz als Fotograf und Filmer hatte jeden Abend noch grosses Kino stattgefunden.

Die von uns gepaddelten Flüsse waren alle sehr klar und sauber in wunderschöner Landschaft. Obwohl ein paar Mal gerollt wurde und auch der eine oder andere Schwimmer vorkam wurde es nie gefährlich. Grundsätzlich sind nicht zu lange Open Canoes für Befahrungen gut geeignet. Auf Boote aus Royalite oder Laminaten würde ich eher verzichten. Für blutige Anfänger gibt es sicher auch geeignetere Paddelreviere.

James und Maud von der Kanuschule Versam hatten es verstanden, stets eine unverkrampfte Atmosphäre zu schaffen, die das Lernen begünstigte und Freude bereitete. Korsika hat uns allen sehr gefallen und ihr habt viel dazu beigetragen!

Korsika mit Open Canoes? Oh yeah!


Jona, 1. Mai 2011 / Aldo Rancati

1 Kommentare:

Anonymous Janik meinte...

Das sind aber tolle Fotos! Da fühlt man sich ja alleine beim Hinschauen in dieser sommerlichen Schwüle schon erfrischt! Würde auch gerne mal Kanufahren gehen, dazu braucht man aber sicher eine Menge Kraft und Ausdauer in den Armen, sonst geht man unter. ;)

13. Juli 2011 um 22:54  

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